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bogevischs buero
907

Wohnquartier nördlich Wimpfener Straße

2025
1. Preis
Auslober: Industrieterrains Düsseldorf-Reisholz in Kooperation mit SWD Städt. Wohnungsgesellschaft

Mitarbeit: Karla Laukeningkat, Lea Schön, Johannes Prünte, Alina Tolle, Johanna Demlinger 

Landschaftsarchitektur: bogevischs buero Alina Tolle 

 

Städtebauliche Idee

Unser Entwurfsansatz basiert auf einer einfachen städtebaulichen Grundordnung, die sich einerseits gut in das bestehende Stadtgefüge einfügt, andererseits aber auch eine große Flexibilität in der Umsetzung bietet und gleichzeitig auf den großen vorhandenen Baumbestand reagiert.

Hier auf dem heutigen 4ha große Schulgelände soll im Zuge einer Nutzungsverlagerung innerhalb des Stadtteil Benraths soll in Zukunft ein lebendiges und grünes Wohnquartier entstehen.

Konsequent sitzen zwei lange, abschirmende Bauteile entlang der Münchner Straße. Im Westen liegt ein großer Parkriegel. Im Osten und der Mitte sitzt ein langer, dünner Baukörper. Die Wohnungsgrundrisse in diesen schlanken Gebäuden werden so organisiert, dass alle Aufenthaltsräume Richtung Süden orientiert sind. Davor lagern drei Baufelder, die sich jeweils um einen privaten Binnenbereich herum entwickeln.

Innerhalb der aufgelockerten Blockrandstrukturen ergeben sich Wohnhöfe, die den Bewohner:innen als identitätsstiftende Freiräume dienen und die nötige Privatheit innerhalb des Wohnblocks gewährleisten.

So entsteht ein autofreies Gefüge, in welchem sich gemeinschaftliche Grünflächen mit unterschiedlicher Öffentlichkeit ineinander verzahnen.

Trotz der gewünschten Dichte ergibt sich ein sehr gutes Frei- und Grünflächengerüst mit gut nutzbaren und in 3 Bauabschnitten entwickelbaren Baufeldern. Alle Baufelder sind an den öffentlichen Raum angedockt.

 

Öffentlicher Raum

Zwischen den Baufeldern entsteht eine klare öffentlich gewidmete Fuß- und Rad-Durchwegung, die die zum Stadtteilzentrum führende Hospitalstraße mit dem westlichen Teil Benraths verbindet. Ganz im Osten liegen zusammenhängend die öffentlichen Grün- und Spielflächen. Ein sieben-geschossiger Turm markiert den Auftakt ins neue Quartier. Die öffentliche Durchwegung führt von dort weiter über den Quartiersplatz in der Fuge zwischen dem östlichen und dem mittleren Baufeld nach Westen zu einer zweiten Platzaufweitung zwischen dem Nordriegel und dem westlichen Baufeld.

 

Nutzungsmix

Rund um den Quartiersplatz sind im Erdgeschoss öffentliche Nutzungen wie Gewerbe und Gastronomie sowie eine Tagespflege mit Seniorenwohnen im Obergeschoss angesiedelt.

An dem etwas privateren Nachbarschaftsplatz sind im Erdgeschoss gemeinschaftliche Nutzungen für die Bewohner:innen vorgesehen. Der Platz wird von der Quartiersgarage mit Mobility Hub im Erdgeschoss und einem Gym auf dem Dach gefasst. Die beiden Kitas sind mit Ihren Freiflächen so situiert, dass die Durchwegung des Quartiers geringstmöglich gestört wird. Über den Kitas und an anderen Stellen an denen die Brandrettung zu einer hohen Qualitätsminderung der Höfe führen würde, schlagen wir vor mit einer Erschließungstypologie wie dem Laubengang zu reagieren. In der Umsetzung schlagen wir vor, das stadträumliche Gerüst an den vorgeschlagenen Orten mit gezielt gesetzten gemeinschaftsfördernden EG-Nutzungen zu füllen, um die Räume entsprechend zu kodieren.

 

Mobilität

Am westlichen Eingang des Quartiers liegt die Quartiersgarage. Über die Quartiersgaragenzufahrt ist auch eine Tiefgarage erreichbar, sie sich unter das westliche Baufeld erstreckt. So kann das Quartier nahezu frei werden von motorisiertem Individualverkehr. Zwei kleine Besucherstellflächen im Süden und Osten bieten Platz um wohnungsnah und kurzfristig zu halten und die beiden Kindertagesstätten zu versorgen. Die zweite Zufahrt im Süden von der Wimpfener Straße erschließt daher nur noch den bestehenden Parkplatz, der weiter für den Hol- und Bringverkehr der beiden Kitas genutzt wird. Der Rest des Quartiers bleibt weitgehend autofrei und nur für die Feuerwehr, Müllabfuhr und Pflegedienste befahrbar. Alternative Mobilitätsangebote werden in dem großen Mobility-Hub in der Quartiersgarage und in zwei dezentralen Mobilitätsstationen angeboten. Hier befinden sich auch die Paketstationen.

 

Bauabschnitte

Die Baufelder sind entsprechend der gewünschten Anteile der Nutzer aufgeteilt. Die IDR realisiert zusätzlich im ersten Bauabschnitt den Lärmschutzriegel, der die folgende Bebauung von der Straße abschirmt, sowie die Quartiersgarage.

 

Zukunftsfähiges und lebenswertes Stadtquartier
Das Stadtquartier Wimpfener Straße ist als nachhaltiger und zukunftsfähiger Lebensraum konzipiert, der verschiedene Wohnformen, eine durchdachte städtebauliche Anbindung und ein soziales Angebot für alle Benrather:innen bietet. Soziale Treffpunkte und ein ansprechendes Quartierszentrum schaffen Raum für Begegnung und stärken die Gemeinschaft aller Altersgruppen. Die Architektur schafft spannende Sichtachsen und effiziente, ressourcenschonende Gebäude, die sich harmonisch in die Umgebung einfügen. Die ökologische Nachhaltigkeit ist ein Kernanliegen des Quartiers, um einen lebenswerten und klimaangepassten Raum für heutige und kommende Generationen zu schaffen. Das Quartier wird nahezu autofrei gestaltet, was eine hohe Lebensqualität fördert und sicherere, ruhigere Räume für die Bewohner schafft. Fußgängerfreundliche Wege, Fahrradinfrastruktur und kurze Wege zum öffentlichen Nahverkehr reduzieren die Abhängigkeit vom Auto, verringern gleichzeitig die Umweltbelastung durch Emissionen und Lärm, laden zur Interaktion ein und unterstützen eine nachhaltige Mobilität im Quartier.

 

Ressourcenschonende Bauweise und Nachnutzung von Baustoffen

Das Quartier verfolgt einen ressourcenschonenden Ansatz, indem es Materialien aus den Bestandsgebäuden wiederverwendet, um den ökologischen Fußabdruck zu verringern. So werden die Fundamente der neuen Gebäude überwiegend aus recyceltem Ortbeton hergestellt, und vorhandene Fassadenelemente werden wo es technisch und gestalterisch möglich ist wiederverwendet. Diese Vorgehensweise trägt dazu bei, wertvolle Rohstoffe zu schonen und den Energieaufwand sowie den CO₂-Ausstoß, der mit der Produktion neuer Baumaterialien verbunden ist, zu reduzieren. Wo es technisch sinnvoll ist wird auf Holzbau oder Holzverbundbau gesetzt.

 

Geringer Versiegelungsgrad

Durch einen niedrigeren Versiegelungsgrad im Vergleich zu typischen städtischen Gebieten entsteht eine offene, grüne Struktur, die das Quartier zu einem besonders attraktiven Lebensraum macht. Unvermeidbare Belagsflächen werden mit offenen Belägen gestaltet. So entstehen zugleich soziale Treffpunkte, die ein gesundes Mikroklima fördern.

 

Klimaangepasstes stadtquartier

Das Quartier wird mit einem nachhaltigen Energiesystem ausgestattet. Der Fernwärmeanschluss sorgt für eine nachhaltige Beheizung und Kühlung der Gebäude und kann ggf. durch weitere nachhaltige Energiequellen ergänzt werden. Photovoltaikanlagen auf den Dächern erzeugen Energie z.B. für Wärmepumpen, wobei überschüssige Solarenergie ins Quartier zurückgespeist wird. Diese CO₂-arme Energieversorgung verringert die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Alle Dächer sind mindestens extensiv begrünt, während an ausgewählten Dächern intensive Dachgärten für die Nutzung durch die Anwohner:innen vorgesehen sind. Besonders für den Artenschutz relevante Flächen auf den Dächern der Quartiersgarage werden für Urban Gardening genutzt. Fensterlose Fassaden, die Außenflächen von Laubengängen und die Fassaden der Quartiersgaragen werden vollständig mit Kletterpflanzen begrünt, um städtische Hitzeinseln zu mindern. Regenwasser wird von den Dächern auf diese Flächen geleitet, um eine ausreichende Bewässerung der Begrünung sicherzustellen, das Quartier möglichst autark zu gestalten und die Einleitmengen in die städtische Kanalisation auf ein Minimum zu reduzieren.

 

Blau-Grüne-Infrastruktur

Um mit den zunehmenden Starkregenereignissen durch den Klimawandel umzugehen, wird im Quartier ein umfangreiches Regenwassermanagement umgesetzt. Anfallendes Regenwasser und Starkregenereignisse werden auf den begrünten Retentionsdächern zurückgehalten und bei Bedarf dezentral in den Wohnhöfen in offenen Verdunstungs-/Versickerungsmulden temporär gesammelt, wodurch die Überlastung der Kanalisation vermieden wird. Zisternen und Auffangbecken ermöglichen die Speicherung von Regenwasser, das für die Bewässerung der Grünflächen genutzt werden kann.  Die öffentlichen Spiel- und Grünflächen sind ebenfalls so modelliert, dass temporär Wasser zurückgehalten und lokal dem Wasserkreislauf zur Verfügung steht. Die Verkehrsflächen werden mit versickerungsfähigen Belägen ausgeführt. Diese Maßnahmen fördern die Selbstversorgung des Quartiers und verringern die Abflussmenge in die städtische Kanalisation.

 

Förderung der Biodiversität im Quartier

Das Quartier fördert die Artenvielfalt durch eine naturnahe Gestaltung der Freiflächen. Die Grünflächen werden mit einer Vielzahl heimischer Pflanzenarten gestaltet, entlang der südlichen Grünfläche entsteht ein Biodiversitätsband, das sowohl Nistplätze für Vögel als auch Lebensräume für Insekten bieten. Die Beleuchtung des Quartiers mit insekten- und fledermausfreundlichen Leuchten ausgestattet, die den natürlichen Lebensrhythmus der Tiere berücksichtigen und gleichzeitig zur Sicherheit des öffentlichen Raums beitragen.

Die Neubauten nehmen Rücksicht auf den großen, gewachsenen Baumbestand. Dieser fließt von Süden in die offenen Wohnhöfe und wird Teil davon. Alle wegfallenden Bäume werden mit Neupflanzungen mit Faktor 1,5 ersetzt, der Baum-Rahmen des Quartiers wird durch die Neupflanzungen gestärkt.

Mit diesen Maßnahmen wird das Quartier zu einem ökologisch wertvollen Lebensraum für Pflanzen und Tiere, der aktiv zur Förderung der Biodiversität beiträgt.

 

Freiraum

Das neue Quartier setzt auf verzahnte Freiräume, die sowohl ökologische, funktionale als auch soziale Qualitäten vereinen. Es wird ein lebendiger, durchgrünter Stadtteil geschaffen, der durch eine klare Struktur und den bestehenden grünen Rahmen geprägt ist. Die öffentliche Grünfläche im Osten bildet den Auftakt ins Quartier: von Benrath kommend gelangt man zum Quartierstreffpunkt unter Bäumen. Hier befinden sich Kurzzeitstellplätze für die Bewohner:innen und eine SharingStation für Lastenräder und Roller, sodass der weitere Weg ins Quartier zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt wird. An diesem schattigen Platz treffen sich Grundschüler:innen, Radfahrer:innen und die neue und alte Bewohner:innen der Nachbarschaft, hier ist der Auftakt des Radschnellwegs und des Parks, der mit seinen großzügigen Spielflächen alle Generationen ins Quartier lockt: Spielbereiche für die Kleinsten, die Abenteuerlustigen, die Sportlichen und die Boule-Spielenden, aber auch ruhigen Rückzugsorten für alle Benrather:innen. Das im östlichen Baukörper situierte Café und der kleine Nahversorger bieten eine Anlaufstation für die umliegende Nachbarschaft. Der bogenförmige Park mitsamt der bestehende Baumkulisse und Bestandstopografie im Nord-Westen umschlingt das neue Quartier. Das Quartier selbst ist als eine Abfolge von Plätzen entlang der zentralen Ost-West-Durchwegung für Fuß- und Radverkehr konzipiert, die miteinander das Netz aus öffentlichen Grün- und begrünten Verkehrsflächen bilden. Dieses Netz ist durchgängig barrierefrei gestaltet. Entlang der Quartiersgarage überwindet ein Gefälle von max. 4% den Höhenunterschied zur Kappeler Straße.

Die öffentlichen Verkehrsflächen übernehmen eine doppelte Funktion: Sie erfüllen technische Aufgaben wie die Ver- und Entsorgung der Grundstücke, Versorgungsfahrten wie z.B. Müllabholung und Pflegedienste, Feuerwehrzufahrten sowie die Regenrückhaltung der öffentlichen Flächen in Form von Retentionsmulden entlang der Wege und Verdunstungsbecken auf den entstehenden Quartiersplätzen. Sie bieten an den entstehenden Quartiersangern gleichzeitig Raum für Treffpunkte, Wasserspielelemente und tragen zudem zur lokalen Klimaanpassung bei, indem sie als natürliche Kühlelemente wirken. Plätze und Durchwegung werden durch Baumschatten auch bei Hitze zu angenehmen Aufenthaltsorten. Das Quartier fördert den sozialen Austausch und die Vernetzung der Bewohner:innen durch eine dezentrale Platzierung von Gemeinschaftseinrichtungen – darunter Kitas, ein Café und andere soziale Angebote – entlang der Quartiersdurchwegung. Mobilitätstationen sind in die Gebäude integriert, an den Quartierszugängen befindet sich Sharing-Flächen. Diese Durchlässigkeit des Quartiers ermöglicht einen fließenden Übergang zu den angrenzenden Stadtteilen.

Die Wohnhöfe bilden die Herzstücke des Quartiers mit ruhigen Rückzugsorten, privateren Spielplätzen, Flächen für Gartenarbeiten, Gespräche und Wasserrückhaltung. Sie sind größtenteils nicht unterbaut und von Feuerwehrzufahrten freigehalten, sodass die bestehende, schattenspendende Baumkulisse erhalten werden kann. Auch auf den Dachflächen sind teilweise gemeinschaftliche Flächen und Spielmöglichkeiten vorgesehen, welche mit großzügigen Biodiversitätsdächern kombiniert werden. Fahrradabstellplätze werden befinden sich im Erdgeschoss der Gebäude, Besucherstellplätze an den Eingängen.

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