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Zukunft Münster 2050 - Quartiersentwicklung in der Moselstraße

2022
3. Rang  
Ausloberin: Baugenossenschaft Münster am Neckar eG

Mitarbeit: Laura Ingermann, Johannes Prünte, 

Landschaftsarchitektur: Stautner + Schäf Landschaftsarchitekten und Stadtplaner

Lage

Das Wettbewerbsgebiet wird geprägt von einem dominierenden Grünzug und einem ausgeprägten Höhenprofil mit Nordhanglage. Der Grünzug im Norden bildet eine Art Schutzwall mit hoher Aufenthaltsqualität zwischen den unterschiedlichen Nachbarbebauungen. Durch die gute Anbindung und Infrastruktur vor Ort, sind die Bewohner nicht zwingend auf ein Auto angewiesen und wir haben die einmalige Möglichkeit, 200m Straßenraum vollständig neu zu gestalten.

 

Idee

Die Moselstraße wird von einer asphaltierten Autostraße mit ungenutztem Abstandsgrün, zu einem verkehrsberuhigten grünen Boulevard, ein Erlebnis- und Begegnungsraum für das neu entstehende Quartier.

Durch die Anordnung der neuen Häuser bilden wir drei Stadträume mit verschiedenen Vorzügen für Begegnung, Aufenthalt und Gemeinschaft aus. Die Grünzone im Norden zieht sich über die Freiräume zwischen den Gebäuden hindurch, durch das gesamte Quartier.

 

Moselstraße

Die Moselstraße wird weniger Verkehrsfläche, mehr aktiv nutzbarer Außenraum für Spiel, Sport und Begegnung unter den Bewohnern sein. Dadurch fungiert die verkehrsberuhigte Straße als Katalysator für eine lebendige Nachbarschaft, ein grüner Außenraum mit unterschiedlichen Aufenthaltsqualitäten und Begegnungsflächen für die Bewohner, über die einzelnen Hausgemeinschaften hinweg. So wird die Gemeinschaft nicht nur unter den Hausbewohnern gestärkt, sondern innerhalb des gesamten Quartiers.

 

Bauabschnitte

Die Errichtung erfolgt in vier Bauabschnitten. Durch das geschickt vorgesehene Umzugsmanagement können nach Fertigstellung des ersten Abschnittes Mietparteien aus den folgenden Bauabschnitten dort einziehen.

Mit Fertigstellung des ersten Bauabschnittes verfügt das Quartier über eine Tiefgarage, durch welche die ebenerdige Parkierung entlastet werden kann.

Die Bauabschnitte funktionieren unabhängig voneinander und ließen sich bei Erfordernis auch in anderer Reihenfolge errichten.

 

Bauabschnitt I

Der erste Bauabschnitt umfasst das Grundstück im nord-östlichen Teil des Quartiers, zwischen Moselstraße und Grünzug gelegen. Die drei Baukörper sind mit einer Tiefgarage unterkellert. Die Unterbringung des ruhenden Verkehrs am Quartierseingang ermöglicht ein nahezu autofreies Wohnquartier. Der notwendige Bedarf an straßenseitigen Stellplätzen wird in die neugestaltete Moselstraße integriert. Die Fahrradgarage im gegenüberliegenden Gebäudebestand kann genutzt werden. In den Erdgeschosszonen werden Gemeinschaftsräume und Studiowohnungen, eine Mischform aus Wohnen und Arbeiten, untergebracht.

 

Bauabschnitt II

Am östlichen Quartierseingang entsteht durch eine Aufweitung der Moselstraße ein neuer Quartiersplatz – ein grüner Anger mit Nachbarschaftscafé, Gemeinschaftsräumen und Repair-Werkstatt in den Erdgeschosszonen der angrenzenden Bebauungen. Über eine Treppe erstreckt sich der öffentliche Platz hin zu einem grünen Wohnhof. Der Hof liegt auf einem Sockel, in welchem sich die Quartiersgarage befindet. Der Garagensockel schiebt sich im Süden in den Geländehang hinein und bildet eine Parkzone mit E-Ladestationen für Autos und Fahrräder aus. Der nördliche Teil wird von der Moselstraße aus ebenerdig erschlossen und wird temporär als Parkierung genutzt. Hier befindet sich auch eine integrierte mobility station für gemeinsam genutzte Lastenräder, e-Bikes und Stadtautos (car sharing). Die Sockelfassade an der Moselstraße und dem neuen Quartiersplatz kann nachträglich verglast werden. Dieser gut erreichbare und natürlich belichtete Bereich bietet genügend Raum für spätere Umnutzungen zu bspw. Pop-Up-Läden, weiteren Co-working Bereichen, Sportzonen, Künstlerateliers, uvm.

Angrenzend an die bestehende Kita wird eine neue Kita errichtet. Durch diese Lage können Synergien wie Spielflächen und Essensanlieferung gemeinsam genutzt werden. Die Kita Außenfläche, nördlich des Baukörpers, liegt in einem geschützten sonnigen Hof und kann mit der Bestandsaußenfläche verbunden werden.

Die Kita wird barrierefrei über die Freibergstraße erschlossen.

 

Bauabschnitte III und IV

Die Bauabschnitte III und IV umfassen die Grundstücke im Westen des Gebiets. Die Gebäude mit Hochparterre haben großzügige Eingangsbereiche mit Fahrradräumen. Eine Grünzone zwischen Moselstraße und Wohngebäude wirkt als Filter.

 

Architektur

Durch eine geschickte Anordnung der Neubauten wird der nächtliche Kaltluftstrom aus Nord-Ost optimal zur Belüftung des Quartiers in den sommerlichen Nächten genutzt.

 

Die Gebäude werden als vorgefertigte Holzbauten als Holzständerbauten errichtet. Der Entwurf, aufgebaut auf einem Raster, ermöglicht eine kurze Bauzeit und einen gut planbaren Ablauf des Umzugsmanagments.

Die Baukörper mit Nordfassaden entlang der Moselstraße werden über begrünte Laubengänge erschlossen. Die restlichen Gebäude haben je einen Erschließungskern. An der zur Moselstraße gewandten Südfassade werden Balkongerüste installiert. Diese dienen gleichzeitig als Rankgerüst für eine Fassadenbegrünung. Die Flachdächer bieten ausreichend Fläche für Dachbegrünungen und Photovoltaikanlagen, sowie private Dachgärten mit Gemeinschaftsterrassen für die Hausbewohner.

 

Die Neubauten sind 3-5 geschossig. Die neuen Häuser entlang der Moselstraße berühren nirgends direkt die kleinmaßstäblichen Einfamilienhäuser sondern sind von diesen durch u.a. den Grünstreifen getrennt. Da die Straße außerdem zu beiden Seiten neu bebaut wird, verträgt sie auch eine eigene Skalierung; die jeweils einander gegenüber stehenden Häuser entsprechen in ihrer Größe einander.

 

Freiflächen

Der Grünzug im Norden weitet sich zwischen den einzelnen Baufeldern aus, so entstehen Freiräume für Gemeinschaftsgärten, Streuobstbäume, Sitzplätze und große Baumbepflanzungen. Dadurch entsteht eine Verbindung zu dem grünen Wohnhof in Bauabschnitt II.

Der höhere gelegene Wohnhof auf dem Sockelgeschoss ist halböffentlicher Grünraum mit Spielflächen für Kinder und genügend Freiraum für die Bewohner.

 

Wassermanagment

Im Quartier wird eine technisch einfache dezentrale Versickerung des Regenwassers geplant. Die Flächen dafür sind in die vielfältigen wohnungsnahen Freiräume und entlang des Grünzugs eingebettet. Die verkehrsfreien Erschließungsbereiche des mittleren Quartiers werden als wassersensibler Straßenraum mit Tiefbeeten gestaltet. Wo eine dezentrale Versickerung nicht möglich ist, wird das Regenwasser auf Retentionsdächern zurückgehalten und dann zum Teil verdunstet bzw. gedrosselt eingeleitet. Überschüssiges Niederschlagswasser wird bspw. genutzt für die Grünflächenbewässerung oder die WC-Spülanlage.

Alle Dächer werden intensiv oder extensiv begrünt, so wird das Mikroklima verbessert und vielfältige Lebensräume geschaffen werden. Das auf den Dächern rückgehaltene Regenwasser, produzierte Energie sowie Wärme werden in Kreisläufe eingespeist, genutzt und wiederverwendet.

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