Quartier Graben- Friedrichstraße
2025
Anerkennung
Auslober: Stadt Vaihingen an der Enz + Wohnbau Oberriexingen Gruppe
Mitarbeit: Sarah Shah, Lea Schön, Linda Eiermann, Handskizzen: Johannes Prünte
Landschaftsarchitektur: OK Landschaft
Städtebauliches Konzept – Altstadterweiterung Nord
Im Zentrum der Stadterweiterung entsteht eine masstäbliche Platzabfolge, die als Erweiterung des öffentlichen Raumes vom Marktplatz nach Norden kommend das Stadtzentrum stärkt. Mit den Funktionsteilen, Vollsortimenter, Drogeriemarkt, Apotheke, Ärztezentrum aber auch Kulturplatz und Markthalle im alten Hof, wird dieser Angerraum aufgeladen und die Altstadt nicht nur ergänzt, sondern durch diese neuen Ankermieter auch gestärkt. Fusswege in die historische Altstadt sind kurz, Parken ist hier zentral möglich, alle Eingänge und Wege sind gebündelt und in Verlängerung und Ergänzung der Altstadt angeordnet.
Der Monsternutzer – Vollsortimenter verschwindet mit dem Gros seiner Flächen im ersten Untergeschoss, das oberirdische Raumprogramm bietet trotzdem eine sehr gute wirtschaftliche Umsetzung mit einer gesunden Mischung an Arbeiten und Wohnen in einem modernen Quartier der kurzen Wege.
Am oberen Ende des linearen Angerraums in der Mitte sitzen die Markthalle und Kulturnutzung nebst Restaurant im alten Bauernhof. Dank der markanten Bestandsgebäude, die wir in Szene setzen, bildet sich hier ein attraktiver Abschluss als Gegenpol zum Marktplatz. Eine Spange wird hier aufgespannt, die die Altstadt beleben wird.
Die vielfältigen Wohnangebote, alle barrierefrei und altengerecht umsetzbar, ergänzen das bestehende Wohnungsangebot in der Stadt und schaffen eine größere Vielfalt. Dank der beiden Innenhöfe, um die die beiden Wohnstandorte angeordnet sind, wird hier eine sehr hohe Wohnqualität angeboten, trotz der zentralen Lage mit kurzem Wege zur umliegenden Infrastruktur.
In Summe kann hier ein lebendiger, durchmischter Stadtteil entstehen, mit einer angemessenen Dichte, die der Altstadtnähe gerecht wird.
Dank der differenzierten Ausformulierung der Gebäudebaukörper und Höhen gliedern sich die Neubauten an das Altstadtensemble an. Die neuen Häuser sind als solche erkennbar und ordnen sich der Altstadt, der Burg und den Denkmälern doch unter.
Wohntypen
Zwei Wohntypologien werden eingesetzt – Spännertypen, im Osten, die vom Angerraum erschlossen werden und Laubenganghäuser im Westen auf dem Dach des Marktes.
Es entstehen im Anger und den Gemeinschaftshöfen informelle zur Stärkung der Nachbarschaft. Es entstehen Pufferräume zwischen den privaten Wohnungen und dem öffentlichen Raum.
Erschließung Brandrettung
Die Erschließung erfolgt, vom Anger über den autofreien Anger. Parken können die Bewohnenden in einer der beiden Tiefgaragen. Durch eine geschickte Wohnungsanordnung und Erschließungstruktur (Laubengang im Westen / Maisonettewohnungen im Osten wo notwendig) bleiben die Höfe frei von Feuerwehrzufahrten.
Grün-Blaue Infrastruktur und Schwammstadt-prinzip
Die Gestaltung der Freianlagen schafft nicht nur hohe Aufenthaltsqualität für die Bewohner:innen, sondern auch wertvolle Biotope. Blühstreifen, Obstwiesen in den Höfen und naturnah gestaltete Retentionsbereiche bieten Nahrung und Rückzugsräume für Insekten, Vögel und Kleintiere. Das Quartier wird zu einem Mosaik ökologischer Trittsteine, die Artenvielfalt fördern und an das bestehende Landschaftsgefüge anknüpfen.
Das Konzept folgt klaren Prinzipien einer klimaresilienten Freiraumgestaltung und trägt den Herausforderungen des Klimawandels Rechnung.
- Die Höfe entwässern Muldenrinnen in eine begrünte Versickerungsmulde.
- Versickerungsoffene Beläge im Anger und in den Höfen verringern den Versiegelungsgrad.
- Das Quartier wird durch gezielte Neupflanzungen gestärkt.
- Das Quartier erhält hohe Durchgrünung und Schattenspender durch Baumkronen, wodurch sommerliche Hitzeinseln vermieden werden.
- Die Dachflächen entwässern kontrolliert in begrünte Versickerungsmulden. Für Starkregenereignisse steht die Fläche im Westen und der Innenhof im Osten als schadfreies Überflutungsvolumen zur Verfügung.
- Durch die Vielzahl an Vegetationsflächen entsteht eine wirksame Schwammstruktur, die Regenwasser zurückhält, verdunstet oder versickern lässt.
So entsteht ein vielfältig nutzbares, durchgrüntes Quartier, das Wohnen, Begegnung und Natur nachhaltig miteinander verbindet. Der Entwurf setzt auf Durchlässigkeit, ökologische Vielfalt und soziale Qualität – und schafft damit ein robustes, lebenswertes Umfeld für Mensch und Natur gleichermaßen.
Architektur
Die einfachen Baukörper folgen einem klaren, funktionalen Konzept. Der Haupteingänge der Gebäude liegt immer Außen am großen zentralen Anger. Von hier aus können im Erdgeschoss auch Fahrradräume und Gemeinschaftsräume erschlossen werden. Über dem Erdgeschoss befinden sich Wohngeschosse, (bzw. die Arztpraxis) die von einem gemeinschaftsfördernden Laubengang bzw. vom gut belichteten Treppenraum erreicht werden. Die meisten Wohnungen sind durchgesteckt und können von zwei Seiten belichtet und belüftet werden.
