Neubau Campus Fachraumzentrum
2025
Wettbewerb
Auslober: Stadt Bad Mergentheim
Mitarbeit: Sarah Shah, Lea Schön, Regina Schwarz, Lina Sandjohann, Handskizzen: Johannes Prünte
Landschaftsarchitektur: stautner+schäf landschaftsarchitekten und stadtplaner partnerschaft mbB
Konzept und Städtebau
Wir haben uns für einen einfachen Baukörper entschieden, der sich in zwei zueinander verschobene Bauteile gliedert, die drei bzw. zwei Geschosse hoch sind. Dadurch entsteht auf der Westflanke des neuen Schulhofes ein fein gegliederter Baukörper, der sich gut in den Bestand einfügt und die Maßstäblichkeit respektiert.
Architektonisches Konzept
In der Mitte der beiden Baukörper befindet sich die Haupterschließung, die von außen, wie auch vom Schulhof gleichermaßen erreicht werden kann. Über eine lange ‚Himmelsleiter‘ geht es nach oben in die gruppierten Klassenraumtrakte, die sich jeweils um einen Innenhof wie eine großzügige Aufenthaltsfläche herumgruppieren.
Es entsteht eine hohe Flexibilität und Multifunktionalität der Schulräume durch gleichgroße, quadratische Klassen- und Sammlungsräume sowie ein gemeinschaftliches, schulübergreifendes Miteinander, jedoch auch die Möglichkeit zur klar getrennten Struktur zwischen den Schulen.
Die Raumstruktur ist adaptiv und nutzungsneutral für unterschiedliche Unterrichtsformate geeignet.
Es ergibt sich eine hohe Aufenthaltsqualität der Erschließungs- und Begegnungsflächen an den Innenhöfen, ein Flächenpuffer für offenere Unterrichtskonzepte und Luft für die verschiedenen Schülergruppen.
Im Erdgeschoss liegt gut erreichbar, die große Mensa, mit einem Freibereich, der sich in den Schulhof erstreckt, sowie Werk- und Technikräume, die über einen Außenbereich verfügen.
Auf eine Unterkellerung wird verzichtet.
Tragwerk + Konstruktion
Das Gebäude wird als Holzbau mit aussteifenden Treppenräumen in Stahlbeton konzipiert. Der zweite Rettungsweg geht von Klassenraum zu Klassenraum in die Fluchttreppenräume. Dadurch können die Zwischenbereiche in den einzelnen Clustern frei möbliert und genutzt werden. Es entsteht eine kompakte, wirtschaftliche Schule ohne Firlefanz aber mit Luft zum Lernen, sich Begegnen und Flächen zu Aneignung.
Wir sehen diesen weiteren Schulbaustein als eine feine, schlichte und funktionale Ergänzung zum Bestand und haben uns daher auch in der äußeren Gestaltung auf feine elegante Details fokussiert.
Sporthalle + EMS Verwaltungstrakt
Die neue Sporthalle wird in Reihe zur Bestandssporthalle gesetzt.
Dank einer Aufstockung im Süden können die zusätzlich notwendigen Verwaltungsräume ohne Baumfällungen und ohne eine weitere Versiegelung ins Konzept integriert werden.
Das Hausmeisterhaus erhält im Erdgeschoss einen Schulkiosk, der die neue West-Ostachse durch den Campus belebt und der Mensa ein gutes Gegenüber gibt. Die Fassade des Hausmeisterhauses wird gedämmt und mit einer hinterlüfteten Holzfassade verkleidet.
Freiraumkonzept
Durch die Position des neuen Fachraumzentrums entsteht ein Raum inmitten des Schulensembles, welcher das Potenzial birgt Neues mit dem Bestand zu verbinden. Ziel ist es, einen identitätsstiftenden, nutzungsorientierten und nachhaltigen Freiraum zu schaffen, welcher den Anforderungen eines modernen, integrativen und zukunftsfähigen Schulcampus entspricht. Das neue Fachraumzentrum mit Mensa bildet den funktionalen und räumlichen Mittelpunkt zwischen den drei Schulen – Kopernikus-Realschule (KRS), Deutschorden-Gymnasium (DOG) und Eduard-Mörike-Gemeinschaftsschule (EMS). Die Außenräume sollen sowohl den pädagogischen Alltag als auch die sozialen Bedürfnisse der SchülerInnen in altersgerechter Weise unterstützen. Sie lassen sich in drei übergeordnete Zonen gliedern:
Bildungsbezogene Außenräume als direkte Außenbereiche der Fachräume mit Aufenthaltsqualitäten und möglicher Nutzung für unterrichtsergänzende Tätigkeiten. Hierzu zählen das Freiluftklassenzimmer oder der Außenbereich der Werkräume.
Soziale und kommunikative Treffpunkte in Form von Kommunikationsbereichen mit hoher Aufenthaltsqualität, wie zum Beispiel die Sitzstufen im Grünen, der bestuhlte Mensavorplatz oder die Liegewiese unter Bäumen.
Bewegungs- und Aktivitätsräume mit Angeboten für Streetball, Tischtennis oder Sport- und Calestenicsanlagen, die ergänzend zur 3-Feld-Turnhalle den informellen Schulsport und Bewegungsdrang fördern.
Grünkonzept
Der Entwurf ermöglicht den Erhalt vieler Bestandsbäume und die Ergänzung mit klimaangepassten, standortgerechten Neupflanzungen. Die Position und Form der Grüninseln wurden so gewählt, dass möglichst viele der Bäume innerhalb von Wiesen, Pflanzflächen oder wasserdurchlässigem Rasenfugenpflaster stehen und somit die Standortbedingungen der Bäume verbessert werden. Es entsteht ein grüner Schulcampus mit schattenspendendem Blätterdach, welcher somit nicht nur für SchülerInnen und LehrerInnen zu einem angenehmen Aufenthaltsort, sondern auch vielen Vögeln und Insekten zum Lebensraum wird.
Durch die Begrünung der Fassaden des FRZ kann ein weiterer Beitrag zu Verbesserung des Mikroklimas und der Biodiversität geleistet werden.
Regenwassermanagement
Anfallendes Regenwasser wird zur Versickerung in die Pflanzflächen geleitet, Grünflächen sind zusätzlich leicht gemuldet, um ein zusätzliches Volumen zum Wasserrückhalt zu generieren. Durch die Ergänzung der Grüninseln mit Rasenfugenpflaster wird der Anteil an versiegelter Fläche noch weiter reduziert. Zusätzlich könnte als Pflasterbelag ein sickerfähiger Klimastein eingebaut werden, um eine noch höhere Wasserversickerung zuzulassen. Die wasserdurchlässigen Beläge sollen vor allem im Bereich der Bestandsbäume eingesetzt werden, um diesen mehr Regenwasser zukommen zu lassen.
Die Flachdächer der Neubauten werden als Retentionsdach ausgebildet mit extensiver Dachbegrünung in Kombination mit PV-Anlagen.
Mobilitätskonzept
Der Campus wird an die bestehende Wege- und Straßenführung angeschlossen, die Parkierung für Räder und MIV erfolgt auf allen Seiten am Rand der Schulhöfe. Der bestehende Parkplatz in der Kopernikusstraße wird verkleinert und um die zusätzlichen Stellplätze nach Norden hin erweitert. Dadurch entsteht mehr Freiraum zwischen den Schulen für einen zentralen, großzügigen, gemeinsamen Schulcampus. Über die Rad- und Fußwege von Norden, Süden und Osten gelangen die SchülerInnen sicher zu einer Vielzahl an Fahrradstellplätzen und weiter auf den Schulhof und zu ihren jeweiligen Lehrgebäuden. Die Bushaltestellen mit der Wendeschlaufe bleiben in der Kopernikusstrasse östlich des Gebiets bestehen. Von hier werden die SchülerInnen über eine zentrale Achse auf den Schulhof oder weiter zur EMS geleitet. Um einer Überschneidung mit dem Busverkehr zu umgehen, wird die Kiss and Ride-Zone westlich des neuen FRZ verortet.
