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bogevischs buero
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Am Molkenmarkt Block B/1 / Los 1

2025

Auslober: WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH

Mitarbeit: Sarah Shah, Karla Laukeningkat, Lea Schön, Regina Schwarz, Johannes Prünte 

Externe Beratung: onehundredyears, Willem Bruijn 

Brandschutz: k33 brandschutz München

Tragwerk: Planungsgesellschaft Dittrich mbH München

 

E-Werk hält ewig

 

Leitidee – E-Werk hält ewig

Wenn man an dieser Stelle mit hohem Aufwand die Stadtstruktur neu ordnet und komplexe gemischte Häuser baut, dann muss der Anspruch sein, dass diese so gebaut werden, dass Sie viele viele Jahrzehnte überdauern.

Das erfordert dass diese Häuser von der Stadtgesellschaft und dem Bauherren gemocht werden – Sie müssen schön sein und dies über die Jahre auch bleiben. Und, die Häuser müssen nutzungsoffen sein, bzw, leicht adaptierbar. Wer weiss welche Form des Wohnens oder Arbeitens in 100 Jahren nachgefragt wird.

Wir haben uns deshalb für eine robuste Skelettkonstruktion entschieden, mit einer vorgestellten

Klinkerfassade, die geschlemmt oder geputzt wird und die als Gesamtaussenwand hohe Dämmstandards bietet und eine robuste, fein zu gliedernde, Fassade ermöglicht.

Die Erschliessung der Nutzungseinheiten muss einfach und wirtschaftlich sein und so konzipiert sein, dass diese gemeinschaftsfördernd ausgelegt wird. Das gilt für alle Nutzungen, gewerbliche und Wohnnutzungen.

Alle 3 Häuser sind von Aussen ablesbar individuell, erhalten jedoch diesselben multifunktionalen

Geschosshöhen und eine zentrale Haupterschliessung, als Kernstück unseres Entwurfes, die effektiv den Komplex erschliesst.

Dank der Erschliessung über ein breites, südorientiertes begrüntes Terrassengerüst entsteht ein

gemeinsamer Vorraum, der den Wohnenden und Arbeitenden zur grünen Mitte – zur Lunge des Hauses - wird.Nutzungen können hier maximal flexibel getrennt oder zusammengefügt werden. In allen Obergeschossen kann gearbeitet oder gewohnt werden, auch wenn wir natürlich in der Erstausstattung auf die in der Auslobung genannten Rahmenbedingungen reagiert haben.

Den Entwurf prägen also die folgenden Parameter:

 

Schönheit & kultureller Beitrag – die Attraktivität für die Stadt, Identität im Stadtraum

Das Industriedenkmal E-Werk wird Titel und Herzstück des Projektes: es ist sichtbar, zugänglich,

identitätsstiftend. Gebäude, die man liebt, bleiben. Das Projekt ist daher so entworfen, dass es kein vorprogrammiertes Ende hat, sondern etwas Dauerhaftes sein wird – für viele viele Jahrzehnte.

Schönheit zeigt sich in: hochwertigen Fassadenmaterialien (Hauptstadtzentrum!), Details wie Brüstungen und Geländer, sowie in den langsamen Übergängen von öffentlich zu privat (Eingang, Lobby, großzügiges Haupttreppenhaus, begrünte Zugangsterrassen).

 

Flexibilität & Anpassungsfähigkeit– die langfristige Wirtschaftlichkeit für den Auftraggeber

Horizontale und vertikale Flexibilität machen Planung, aber auch Bau und Nutzung sicherer.

Einheitliche Niveaus und Geschosshöhen zwischen den Bauteilen bieten einen schnelleren, günstigeren Bauablauf, und eine höhere langfristige Anpassungsfähigkeit. Die Raumhöhen lassen überall alle Nutzungen zu. Die hohe Arumhöhe garantiert gute Luftqualitäten auch ohne komplexe Lüftungs- oder Kühlungstechnik. Wir schlagen eine Auflösung der strikten Trennung Wohnen/Arbeiten zugunsten flexibler Nutzungen vor. Diese ist über alle Geschosse möglich.

Mehrwert gegenüber Homeoffice: attraktive, voll ausgestattete Arbeitsflächen. Nutzer benötigt lediglich Möbel und Computer – wohnbauähnliche Ausführung. Die Erschließung erfolgt überkommunikationsfördernde Außenterrassen: das führt zu mehr sozialen Kontakten, generiert ein kollektives Gefühl, bietet sichere Fluchtwege, sowie sommerliche Beschattung und sonnenreiche Außenräume für vielfältige Nutzungen. Begrünte Hortus Conclusus als Biodiversitätsflächen für Nutzer und Natur. Wohnungsgrundrisse in B1.1 lassen situationsbedingtes Zusammenschalten zu größeren Wohneinheiten zu.

 

Integration der archäologischen Funde – das neue E-Werk

Über den präsenten Mittel-Risaliten gelangt man in das neue „E-Werk“. Das Museumscafe verbindet die Historie mit einer neuen Nutzung. Die neuen Räumlichkeiten des E-Werks bieten Platz für eine Kantine für das ganze Haus, sowie ausreichend Ausstellungs- und Informationsfläche rund um den Kulturpfad. Von dort aus gelangt man direkt in das Untergeschoss zum Bodendenkmal.

Durch neue Räumlichkeiten im Erdgeschoss, wird das Denkmal inhaltlich wieder an die Oberfläche

gebracht und zum Zentrum der Gebäude B1.

 

Konstruktion und Tragwerk – ein langlebiges Gerüst

Skelettbau im Raster von 7,20 x 7,20 m (Nutzungsflexibilität), komplett aus Pflanzenkohlebeton Stützen und Unterzügen. Nicht tragende Außen- und Innenwände aus Kalksandstein, der aus natürlichen heimischen Rohstoffen hergestellt wird. KS ist langlebig, robust, recyclingfähig, wärmespeichernd und wird regional produziert. Im Staffelgeschoss erfolgt aufgrund des Gewichts ein Materialwechsel auf massive Holzstützen und -unterzüge.

 

Decken als Holzbetonverbunddecken mit Holzuntersicht.

 

Materialien und Fassaden

Mineralische Kerndämmung mit vorgelagerter Luftschicht. Vorgestellte Klinkerschicht, profiliert durch differenzierten Klinkerverbund, geschlemmt oder verputzt – je nach Haus. Holzaluminiumfenster mit Drehflügeln zur Stosslüftung. Raumhohe gesteuerte Lüftungsflügel im Laibungsbereich.

 

Anwendung der Prinzipien des einfach Bauens und Nachhaltigkeit

Skelettbau als Tragwerk: Resourceneffizienz: Stützen und Träger – Materialeinsparung gegenüber

massiven Wänden. Nicht tragende Außen- und Innenwände lassen sich leicht verändern, wodurch das Gebäude über Jahrzehnte an neue Nutzungen angepasst werden kann. Außerdem Recyclingfähigkeit und Rückbaubarkeit.

 

Technische Ausrüstung und Energiekonzept, insbesondere im Hinblick auf Brandschutz, Lärmschutz, Wärme und Lüftung, Energieeffizienz

 

Energiespeichernde Primärstruktur

Kombination von Bauweisen je nach Sinnhaftigkeit.

Basis und Kerne: vertikal und horizontal CO₂-neutraler Pflanzenkohlebeton

Etagen: vertikal Doppelholzstützen, horizontal Holzlängsträger und Querbalken mit vorgefertigten

Lehmelementen und in-situ Lehmschicht.

 

Sensorbasierte, adaptive Steuerung des Raumklimas.

Optimierter Sonneneintrag, saisonale Beschattung durch Terrassen.

Autarke Temperierung für Extremtage (Infrarot, PV auf Dachterrassen).

Maximale Nutzung von Tageslicht durch raumhohe Fenster, minimaler Kunstlichtbedarf.

Natürliche Querlüftung: im Winter nur bei Überschreitung von 1000 ppm CO₂, im Sommer gezielt in der zweiten Nachthälfte.

Hofseite: sensorgesteuerte Lüftungsfenster oberhalb der Türen.Am Molkenmarkt Block B/1 – Los 1 Straßenseite: massive Fassaden mit lärmdämpfenden, sensorgesteuerten Lüftungsboxen in tiefen

Laibungen.

 

Konzeption der Flächenoptimierten inneren Erschließung, Rettungswegekonzept

Großzügiges, zentral gelegenes Sicherheitstreppenhaus im Eckgebäude B1.2. zur Haupterschließung des gesamten Hauses. Von dort aus Erreichen der umlaufenden, multifunktionalen Terrassenbänder.

Gewerbeeinheiten von B1.2 haben einen direkten Zugang zum druckbelüfteten Sicherheitstreppenhaus 1. Kein zweiter Rettungsweg notwendig. Treppenhaus 1 ebenfalls erster baulicher Rettungsweg für B1.1 und B1.3. Zweiter baulicher Rettungsweg für B1.1 und B1.3 Treppenhaus 1 in B1.1. Beide Treppenhäuser führen im EG direkt in den Außenraum bzw. Innenhof.

Kein Anleitern durch die Feuerwehr notwendig.

 

Wirtschaftlichkeit im Bau und im Betrieb

Wirtschaftlicher Nutzen für alle Beteiligten als Basis langfristiger Tragfähigkeit.

Das Projekt will kein Leuchtturmprojekt sein, kein Experiment: es werden bewährte Techniken eingesetzt statt riskanter Prototypen – diese sind wirtschaftlich, solide und verlässlich.

Nachhaltigkeit durch Beständigkeit: nicht primär durch Materialrecycling einzelner Bauteile, sondern durch die langfristige Nutzung des gesamten Gebäudes. Effizientes Flächenmanagement durch kollektive Räume (Außenflächen, Lobby, Sanitär, Besprechungszimmer, Café auch als Speiseraum für alle Nutzenden): spart Leerstand und bietet eine kompakte Lösung im Stadtzentrum.

 

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