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906

Kostengünstiges Wohnen in der Dorfmitte

2024

Auslober: Gemeinde Weßling

Mitarbeit: Eduarda Poubel, Lea Schön, Lucia Schachtner

Landschaftsarchitektur: Stautner + Schäf Landschaftsarchitekten und Stadtplaner

 

Ort

Das zu bebauende Grundstück liegt direkt im alten Ortskern mit dem kulturell genutzten alten Rathaus. Einzelgebäude, wie Hofanlagen, umgeben von großen Gärten und altem Baumbestand, prägen das Ortsbild.

Der Kern Weßling stellt sich, trotz vieler Neubauten, noch in seiner gewachsenen Struktur dar. Im Kern die Kirche, hinter dem Berg der See – idyllisch.

Auf dem Grundstück finden wir nun, neben dem Bestand ein Gelände mit einer erheblichen Topografie vor.

 

Städtebauliche Idee

Der Entwurf kennzeichnet sich durch die Würdigung des Rathauses und seinen gemeinschaftsstiftenden Nutzungen und einem davon getrennten Wohnanger mit 4 Einzelgebäuden in einer ortstypischen Körnung.

Es entsteht also ein Neubau-Ensemble, welche von einer gemeinsamen Mitte erschlossen werden. Durch die geschickte Lage des Hofes bildet sich ein geschützter Raum der Gemeinschaft. Durch die Setzung und Verkippung der Baukörper werden in der Körnung angemessene Baukörper generiert, welche optimal belichtet und belüftet werden können. Statt einer städtebaulichen Großform entsteht eine dorfartige Struktur mit wenig Versiegelung und großzügigen Freiflächen. Das alte Rathaus bleibt das Haus der Gemeinschaft mit einer großzügigen Freifläche und Ergänzungsnutzungen im EG des angrenzenden Neubaus.

 

Freiraum

Das Grundstück öffnet sich über mehrere Zugänge an der Argelsrieder Straße zum Dorf hin und lässt sich übergeordnet in zwei große Freiräume einteilen, die jeweils von einer Vielfalt an Funktionen und Charakter geprägt sind. Ihr gemeinsamer Verknüpfungspunkt ist Haus I, dessen Gemeinschaftsräume im Erdgeschoss jeweils die Freiflächen zu allen Seiten bespielen. 

 

So befindet sich nördlich des alten Rathauses der flexibel nutzbare Dorfplatz. Dieser bietet Raum für Parkplätze auf Rasenfugenpflaster und kann zusätzlich auf wassergebundener Decke als Ort für Jugendtreffs fungieren. Bei großen Veranstaltungen und Dorffesten können die zusammenhängenden Flächen gemeinsam genutzt werden und bieten Platz für größere Zusammenkünfte. 

 

Östlich von Haus I befindet sich der grüne Wohnhof, der sich barrierefrei zwischen den vier neuen Gebäuden bis in den hinteren Bereich des Grundstücks zieht. 

Hier dominieren Grünräume in Form von Vorgärten, Pflanzflächen und Gemüsegärten, zwischen denen sich der Hof in kleinen Nischen aufweitet und Aufenthaltsmöglichkeiten für alle Altersgruppen schafft. 

In den Außenanlagen öffnen sich an drei Stellen größere Nachbarschaftsräume, welche jeweils das Pendant zu den Gemeinschaftsräumen in den Gebäuden sind. Davon befindet sich einer im Süden vor der „Wunderbar-Werkstatt“, ein anderer dient als Quartiersmitte zwischen Bastelgarten und der Laubengang-Aufweitung und der dritte im Norden, bietet in Form eines Spielhangs eine Erweiterung zur überdachten Spielfläche. 

Viele Wohnungen im Erdgeschoss verfügen neben Terrassen und Laubengängen zusätzlich über einen Privatgarten. Dabei sind insbesondere die Vorgärten mit der Ausrichtung in den Wohnhof von hoher Attraktivität. 

Durch die präzise Positionierung der Gebäude werden Sichtachsen in die Umgebung erzeugt. So blickt man über den Spielhang hinaus in die freie Landschaft nach Norden oder hat nach Westen den Blick zur Heilig-Kreuz-Kirche. Vom Quartiersplatz lässt sich außerdem die Kirche St. Georg beobachten. 

Das ganze Grundstück wird mit einer artenreichen Bepflanzung an Stauden, Sträuchern und Bäumen durchgrünt. Zusätzlich wird das Gelände von einer zusammenhängenden Pflanzfläche umfasst. Damit entsteht nicht nur eine attraktive Wohnqualität für die Bewohner:innen, sondern auch ein ökologisch wertvoller Lebensraum für Insekten und Kleintiere. Auch die großen Bestandsbäume bleiben erhalten und werden durch Neupflanzungen ergänzt. Der Bereich unter der Kastanie und der Robinie an der Argelsrieder Straße wird zu einer Dorfwiese. Außerdem soll durch den geringen Grad der Versiegelung und die zahlreichen Vegetationsflächen den Auswirkungen von zunehmenden Starkregenereignissen entgegengewirkt werden. 

 

Gemeinschaft

Die bestehende Nachbarschaft wird in das Konzept miteingebunden. Das Haus der Gemeinschaft, das alte Rathaus wird gestärkt. Der südwestliche Neubau beinhaltet Gemeinschaftsräume im Erdgeschoss. Dort können Angebote für Alle stattfinden, mit Blick auf den Garten und die Bäume. Eine Bar wird zur Werkbank, kann von Innen nach Außen geschoben werden. Weiter EG-Nutzungen sind Abstellräume, die nach außen geöffnet auch kleine Werkräume werden dürfen.

Einen weiteren Kommunikationsort im Freien bildet der gemeinschaftliche Wohn-Innenhof, der die zentrale Erschließungsmitte bildet und die Baukörper über den Außenraum miteinander verbindet.

 

Wohnen

Das Zusammenleben im Projekt spiegelt sich in der gemeinschaftlich orientierten Ausrichtung der Baukörper, als auch der Wohnungen. Durch die Verteilung der Wohnungsgrößen und -arten ergibt sich ein generationenübergreifender und barrierefreier Wohnungsmix. Ziel ist es, die Bewohner:innen ein Zuhause zu geben, mit welchem sie sich identifizieren können und für welches sie Verantwortung und Engagement übernehmen wollen.

 

Mobilität

Fahrradräume sind von der Argelsrieder Straße barrierefrei anradelbar und damit hervorragend erreichbar und in ausreichender Zahl hergestellt. Der Wunsch einen wesentlichen Teil der Automobilstellplätze oberirdisch anzubieten, wird so gelöst, dass das Gefälle ausnutzend ein Teil offen unter das östliche Gebäudes geschoben wird.

Bei den Besucherstellplätze für die Bewohner:innen, wie den Nutzerstellplätze des alten Rathauses wird nicht von einem hohen Gleichzeitigfaktor ausgegangen, so dass sich die Stellplatzanzahl geringfügig reduzieren liess. Dies führt zu einer besseren Grünflächen- und Freiflächenversorgung, dies könnte aber natürlich auch leicht geändert werden.

 

Ökologisches Bauen und Nachhaltigkeit

Aus Gründen des bewussten und nachhaltigen Umgangs mit dem Bauen werden die Neubauten in einer Holzrahmenkonstruktion unter den Aspekten des zirkulären Bauens errichtet. Alle Holzelemente setzen auf einen hohen Vorfertigungsgrad.

Fassadenbegrünungen und Retentionsdächer tragen zur Verbesserung des Mikroklimas bei. Photovoltaik auf den Flachdächern leistet einen Beitrag zur solaren Stromgewinnung. Die Beleuchtung der Gebäude ist insektenfreundlich. Zudem ergeben sich unterschiedliche Grünräume, welche die Biodiversität fördern und verschiedene Lebensräume für Tiere und Insekten bieten. Der bestehende, als auch der ergänzte Baumbestand, bindet CO2 und verbessert die Luft nachhaltig. 

 

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