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bogevischs buero
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Titel wie auf Auslobung, ohne Typ wbw

2021
1. Preis Städtebaulicher und freiraumplanerischer Wettbewerb

Ausloberin: Landeshauptstadt München

Mitarbeiter: Lea Schön, Magdalena Müller

Landschaftsarchitektur: Grabner Huber Lipp Landschaftsarchitekten und Stadtplaner

Die Siedlung heute

Die großen Qualitäten der Wohnsiedlung zwischen Dachauer Straße und Wintrichring sind die starke Durchgrünung mit altem, gewachsenen Baumbestand, der einen großen Beitrag zum Stadtklima leistet und die Wahrnehmung als Quartier, die durch die Wiederholung von Riegeltypen entsteht. Diese Homogenität führt allerdings dazu, dass der Siedlung ein zentraler Treffpunkt fehlt. Ein weiteres Defizit ist der hohe Parkdruck. Der öffentliche Straßenraum wird vom ruhenden (motorisierten) Verkehr dominiert und wird so vor allem für Kinder unübersichtlich.

 

Der Baukasten

Trotz ihrer typologischen und architektonischen Selbstähnlichkeit unterscheiden sich die Bestandsriegel der einzelnen Baufelder stark in ihrem baulichen Zustand und den Herausforderungen, die ihre Lage und Setzung an Städtebau, Lärmschutz und Wohnqualität stellen. Deshalb schlagen wir ein Baukastenprinzip vor. Verschiedene Maßnahmen werden zu einem Baustein kombiniert und können so gezielt auf die Herausforderungen der einzelnen Baufelder reagieren. Wenn sich in Zukunft Rahmenbedingungen ändern, können einzelne Maßnahmen ausgetauscht werden, oder einzelne Bausteine unabhängig von anderen Baufeldern umgesetzt werden.

 

Die Maßnahmen

Sanieren und Aufstocken

Je nach Zustand des Bestandriegels werden Konstruktion und Fassade (energetisch) saniert. Das Dach wird abgenommen und um ein weiteres Geschoss aufgestockt, die Wohnqualität der bestehenden Wohnungen durch ein vorgelagertes Balkongerüst deutlich verbessert. Aufstockung und Balkongerüst werden als Holzkonstruktion ausgeführt und setzen sich deutlich vom Bestand ab. Das neu entstehende Flachdach wird extensiv begrünt und mit einer Solaranlage ausgestattet.

 

Anbauen

Um lärmbelastete Wohnbereiche zu schützen, werden Riegel zu halboffenen Höfen zusammengefasst oder durch einen abschirmenden Kopfbau ergänzt. Um eine Durchlüftung weiter zu ermöglichen und so eine Überhitzung zu verhindern, werden Luftschneisen freigehalten. Einzelne Bestandsgrundrisse werden angepasst, um Schlaf- und Aufenthaltsräume zu den neuen Ruhezonen zu orientieren. Bestandsbäume werden, wenn irgend möglich erhalten.

 

Zwischenbauen

Zwischen die einzelnen Zeilen werden Punkthäuser gesetzt. Im Quartiersinnern ist eine Abschirmung gegen Lärm nicht notwendig, stattdessen soll der fließende Siedlungscharakter erhalten werden. Deshalb werden die Neubauten nicht an die Bestandsgebäude angebunden. Um neue versiegelte Flächen zu verhindern, werden die Punkte auf ehemalige Parkflächen gesetzt.

 

Ersetzen und erneuern

Wenn keine Sanierung mehr möglich ist oder die Wohn- und Lebensqualität stark verbessert wird, können einzelne Bestandshäuser oder Baufelder abgerissen und neu bebaut werden. Um eine weitere Versiegelung und Verseuchung des Bodens zu verhindern, wird möglichst auf den alten Gebäudeabdrücken gebaut. Die größere städtebauliche Freiheit wird genutzt, um soziale und versorgende Funktionen wie Kitas, Läden, etc. unterzubringen.

 

Stadtreparatur

Schlecht genutzte und/oder stark versiegelte Flächen werden saniert und dem Grünraum zurückgegeben. Wegfallende Stellplätze werden in der Quartiersgarage ersetzt. So wird die einzelnen Grünfragmente miteinander verbunden und für menschliche und tierische Siedlungsbewohner durchlässig gemacht.

 

Gemeinschaft im Quartier und in der Stadt

Schon heute ist die Nanga-Parbat-Wiese das grüne Herz der Siedlung. Um es auch zum belebten Treffpunkt zu machen, werden hier soziale und gemeinschaftliche Funktionen wie Quartierstreff, Mobility Hub etc. konzentriert. Um alle Siedlungsbewohner gut zu erreichen und Nahtstellen zur umliegenden Stadt zu schaffen, sind Nahversorger und Gewerbeflächen über das Gebiet verteilt. Die neuen städtebaulichen Hochpunkte markieren Gemeinschaftsräume, die an den tatsächlichen Bedarf ihrer Bewohner angepasst werden können, z. B. als Co-Working-Spaces, Werkstätten, Gemeinschaftsküche...

 

Mobilität

Um die Straßen für den fließenden und gehenden Verkehr freizumachen, wird das Parken von PKWs in zwei zentralen Quartiersgaragen organisiert. Neben dem Parken liegt der Fokus vor allem auf geteilter Mobilität in Form von E-Autos, Lastenrädern und E-Bikes. Die für diese Flotte notwendige Energie wird durch eine solaraktivierte Fassade erzeugt, die Dächer werden begrünt und als Dachpark genutzt. Tiefgaragen werden nur sehr sparsam genutzt, um das Parken auf der Straße obsolet zu machen. Um trotzdem ein schnelles und unkompliziertes Vorankommen in der Stadt zu ermöglichen, können Fahrräder dezentral in Radlräumen abgestellt werden. Der wichtigste Mobilitätsbaustein ist der öffentliche Nahverkehr. Durch den fließenden Freiraum und die offene Bebauung ist er aus der ganzen Siedlung gut erreichbar.

 

Die klimaangepasste Siedlung

Um die Bewohner vor der großen Lärmbelastung abzuschirmen, ist es notwendig, einige Riegel zu Blöcken zu schließen. Damit Frischluftschneisen trotzdem erhalten bleiben und eine Überhitzung verhindert wird, werden die Blöcke und Winkel nicht vollständig geschlossen. Durch das Kombinieren verschiedener Maßnahmen können fast alle Bäume erhalten und ergänzt werden und tragen so einen wichtigen Beitrag zum Mikroklima bei. Der Verzicht auf vermeidbare Unterkellerungen und Versiegelungen reduziert den Eingriff in den Boden und den Einsatz von nicht nachhaltigen Rohstoffen stark. Wo Beton nicht vermieden werden kann, wird Recycling-Beton verwendet. Die Architektonische Ausformulierung bleibt relativ frei, festgelegt werden lediglich helle, lichtreflektierende Oberflächen und nachwachsende Baustoffe vorgeschrieben. Die Dächer tragen durch ihre Begrünung einen wichtigen Teil zum Wasserrückhalt bei, Solaranlagen erzeugen nicht nur Energie, sondern reduzieren die Erhitzung der Gebäude um ca. 30% machen eine Gebäudekühlung so unnötig.

 

Freiraum

Ausgehend von den vorhandenen Potentialen, wie dem wertvollen Baumbestand und den bestehenden öffentlichen Parks wird das Quartier weiterentwickelt. An den zentralen Kreuzungspunkten entstehen zusätzlich zur neuen Mitte zwei Quartiersplätze. Die Gube- und Karlingerstraße werden zum Wohnweg umgebaut, die Bedeutung des Autos zurückgenommen und ein Mehrwert durch Aufenthalts- und Grünflächen geschaffen. Der grüne Charakter der Wohnsiedlung wird erhalten und durch Grünverbindungen über die Straße hinweg ergänzt. Durch die Konzentrierung von Erschließungs- und Aufenthaltsflächen entstehen neue Treffpunkte in der Nachbarschaft. Auch die Spielflächen sind hier angeordnet. Durch eine abwechslungsreiche und artenreiche Vegetation wird nicht nur ein optischer – sondern auch ein ökologischer Mehrwert geschaffen. Durch die mäandrierende Wegeführung kann auf den Baumbestand reagiert werden und dieser in großen Teilen erhalten werden. Bei den ergänzenden Neupflanzungen werden klimaresiliente Arten verwendet.

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