Genossenschaftliche Wohnanlage wagnisART

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Das Projekt wagnisART befindet sich auf einem ehemaligen innerstädtischen Militärgelände im Norden Münchens, das bis 2010 einer großen Künstlerkolonie zur Zwischennutzung diente und dessen Grundstücke dann im Rahmen einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme ausgeschrieben wurden. Das Projekt der Wohnanlage wagnisART wurde gemeinschaftlich mit den späteren Bewohnern entwickelt und entworfen.

Das Grundstück in Nachbarschaft zum so genannten Kunsthof wurde mit fünf unregelmäßig geformten Baukörpern und einem Kontinuum von Höfen und offenen Platzräumen bebaut. In unterschiedlichen Clustern wohnen unter anderem sechs bis zehn Parteien gemeinsam. Neben 138 Wohnungen in fünf Häusern (mit circa 200 BewohnerInnen) auf 9.565 m² Wohnfläche gibt es einen großen Veranstaltungsraum mit rund 170 m² für das Quartier, ebenso ein großes Speiserestaurant mit 206 m², das von einer Sozialgenossenschaft aus Bewohnern von wagnisART und Nachbarn getragen wird. Ateliers, Werkstätten, Büros, Gemeinschaftsräume, Gästeappartements, ein Waschcafé mit Nähstube und ein halböffentlicher (von diesen Einrichtungen eingefasster Hof) tragen zur Quartiersvernetzung bei. Verbindende Brücken, großzügige Gemeinschaftsterrassen und zwei Dachgärten mit Gemüse- und Blumenbeeten wirken besonders gemeinschaftsfördernd.

Der Zugang aller Häuser erfolgt vom Inneren der Wohnanlage über die gemeinschaftlichen Höfe. Diese Höfe liegen circa 50 cm über Straßenniveau und bilden so eine natürliche Distanz zum öffentlichen Raum. Alle Wohnungen werden über innen liegende Treppenhäuser und Aufzüge barrierefrei erschlossen. 

Die tragende Struktur des Gebäudes wurde als Stahlbetonskelettkonstruktion errichtet. Die Geschossdecken und Treppenhauskerne werden dabei durch Stützen und partiell durch Wandscheiben ergänzt, um bei wirtschaftlichen Spannweiten möglichst wenig massive Bauteile einzusetzen. Die Außenwände sind in Holz-Rahmenkonstruktion mit vorgehängter Fassade erstellt worden.

Die Dachterrassen und Dächer werden zum großen Teil begeh- und benutzbar sein und Teil der umfangreichen gemeinschaftlichen Freiflächen.

Der Entwurf entstand in einer intensiven Partizipation mit den späteren Nutzern, bei der unter anderem die Entwurfsautonomie der planenden Architekten in Frage gestellt wurde. Dass dabei auch gestalterisch ein radikal neuer Stadtbaustein entstanden ist, ist trotzdem kein Zufall. Inhaltlich entstanden neben den gemeinschaftlich genutzten Erdgeschosszonen eine gemeinschaftliche Dachebene, auf der alle Häuser durch Brückenkonstruktionen miteinander verbunden sind. Gerade diese zweite, halböffentliche Ebene zwischen den Häuser wird zur Mitte der Bewohner.

Die Häuser werden zu einem großen Stadttheater. 

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